Jazz
ANFANG
Angestachelt durch meine Kontakte mit englischen Jazzmusikern anlässlich eines Schüleraustausch 1957 - Gegenpart war der Sohn eines kanadischen Schauspieler- Ehepaars in London - gründeten zwei Schüler aus Geradstetten eine Band.
Das Wissen um die notwendigen Grundlagen war erst einmal zu vernachlässigen und erschöpte sich im Anhören von LP's von Chris Barber und anderen Repräsentanten des britischen Dixieland- Revivals, das Bedürfnis sich zu präsentieren war jedoch umgekehrt reziprok sehr gross.
Die Gründungskinder waren Klaus Woitaschek mit der Trompete und Jörg Rüger am Klavier. Der Name der zukünftigen Band Nr.1 im Remstal war schnell gefunden: Big Rarity stand auf dem Etikett des Whisky's aus London den ich für meinen Vater Karl-Eugen mitgebracht habe, deswegen Big Rarity Jazzband.

Big Rarity Band mit Dieter Seelow
Durch Kontakt mit Gleichgesinnten zeigte sich, dass es noch mehr Fans dieser Musik im Remstal gab, so dass Uwe Jeske, Waiblingen, CL, Manfred Müller, Plüderhausen, TB, Manfred Schwarzmaier, Winterbach, BJ, Franz Daiss, Geradstetten, DR, Claus Bubeck, Waiblingen, TUBA die Band zu einem kompletten Dixie-Orchester vervollständigten.
Übungslokal war der Keller des Dorfarztes Dr.Häussermann in Plüderhausen, in dem gelegentliche öffentliche Jazzveranstaltungen stattfanden, an denen auch andere remstäler Jazzgrössen wie Dieter Seelow oder Rax Riegel teilnahmen.

Big Rarity Band traditionell am 1.Mai
INTERMEZZO Während des Studiums war die Big Rarity Jazzband immer ein willkommener Anlass am Wochenende das Remstal aufzusuchen, um mit den Jungs irgendwo Musik zu machen. Durch zunehmenden Druck der Berufs-und Familienfindung verlief sich die Band jedoch Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger Jahre immer mehr, so dass sie schliesslich ganz auseinanderfiel.



So sah's in den Sechziger Jahren aus
DIE SIEBZIGER UND ACHTZIGER JAHRE
Nach der Niederlassung als Augenarzt in Stuttgart- Bad Cannstatt und die Nähe der Praxis zum SDR hatte ich innerhalb weniger Monate Kontakten zu Mitgliedern des Erwin Lehn Orchesters, einer der führenden Big Bands der damaligen Zeit.
So suchten mich Ak Van Royen, Joe Galardo, Bobby Burgess und andere in der Praxis auf, um mich als Augenarzt zu konsultieren. Dies nahm ich natürlich zum Anlass um mit diesen Jazzgrößen über meine Interessen zu quatschen und so ergab es sich, dass sich vor allem Bobby Burgess meinen Ambitionen widmete.
So gab er mir Tips zur Harmonik des modernen Jazz und versorgte mich mit Übungsmaterial aus seinem Fundus, denn die Musik, die jetzt aktuell war, hatte mit dem Dixieland der Big Rarity Jazzband nichts mehr gemein.
Ausserdem verschaffte er mir Kontakt zu einem Toningenieur des SDR, der eine kleine Amateur-Bigband leitete. So wurde ich mit den Brüdern Bystrich bekannt und trat als Saxophonist in die Formation Stuttgarter Jazz Workshop ein, die wiederum innerhalb der Stuttgarter IG Jazz aktiv war.
Damit begann eine Zeit des intensiven Ausübens aller Arten des modernen Jazz. Gespielt wurden unter der Leitung von Bandleader Hans Bystrich Stücke von Charlie Parker, Charles Mingus u.a.
Die Spielorte waren unterschiedlich, vom Sudhaus ging es über andere Stationen schliesslich ins Gewerkschaftshaus, Theodor Heuss Strasse.
Das Manko der Band war die Schräglage der instrumentellen Besetzung. Natürlich gab es immer viele Saxophone, aber wenig Trompeten und selten mal eine Posaune.
So fand zunehmend ein Wechsel in kleinere Formate statt. Schliesslich traten wir als Hans Bystrich Quintett fast nur noch in Quintett-Besetzung auf: Werner Bystrich, Trompete, Jörg Rüger, Saxophone, Hans Bystrich, Klavier, Peter Bucher, Bass und Werner Braun, drums.
Dies war aber in der Retrospektive meine beste Zeit als Jazzmusiker, zumal einem mit den Kollegen richtig gute Amateurmusiker zur Seite standen.
Leider war Anfang der Achtziger Jahre das Interesse an Amateur- Jazzbands immer geringer geworden. War es anfänglich bei Auftritten im Sudhaus z.T. noch brechend voll, so war in den letzten Siebzigern ein zunehmender Schwund an interessierten Zuhörern zu verzeichnen.
Dann spielten wir als Quintett in der Kellerschenke des Gewerkschaftshauses manchmal vor drei in ihre Biergläser starrende Typen, deren Desinteresse an der Musik offensichtlich war.
Da ein Zuspruch des Publikums jedoch für ausführende Musiker essentiell ist, schrumpfte die Motivation der Band in gleicher Weise wie die Anzahl und das Interesse der Zuhörer.
Frustriert beschloss ich 1982 meine musikalische Laufbahn zu beenden zumal eine zunehmende Ausweitung der ärztlichen Tätigkeit ein weiteres Hemmnis wurde. Man kann ja nicht bis Null oder Ein Uhr in - wie damals üblich- rauschgeschwängerten Bierkneipen Musik machen und am nächsten Morgen taufrisch für seine Patienten da sein.
Damit war erstmal Schluss mit dem Jazz und das Saxophon verschwand aus dem Sinn und im Kellerregal.
DIE NEUNZIGER JAHRE
Da sich herausgestellt hatte, dass fast alle Mitglieder der alten Big Rarity Jazzband wieder Kontakt hatten und auch bereit waren, einen Neuanfang zu wagen, kam es unter dem Namen "Dixieland Forever" zu einem Neustart mit gelegentlicher Mitwirkung meinerseits, ohne festes Bandmitglied zu sein. Geprobt wurde dazu in Räumen der Geradstettener Schule, wohin ich mich gelegentlich nach Praxisschluss begab.
DIE ZWEITAUSENDER JAHRE
Auf Grund der wieder aufgenommenen Kontakte habe ich mich dann nach Beendigung meiner Praxistätigkeit im Jahr 2006 der Band wieder als volles Mitglied angeschlossen.
Geprobt wurde jetzt in den Räumen der Realschule in Endersbach, in der der aktuelle Drummer der Band Konrektor war.
Erstaunlicherweise war die gesamte Bläsersektion (Klaus Woitaschek, Uwe Jeske und Manfred Müller) noch aktiv, ausserdem Blacky Schwarzmaier am Banjo.
Neue Mitstreiter waren Peter Schiller, Banjo, Karl Angele, Tuba, und Theo Bachteler am Schlagzeug.
Mit dieser Truppe begannen wir durch regelmässiges Üben eine im lokalen Bereich geschätzte Oldtime- Jazzband aufzubauen.

Dr.Jazz als 8-Mann-Band ca. 2013
Der Wirkungsbereich der Band umfasst das Remstal und seine angrenzenden Gebiete mit gelegentlichen Abstechern in Baden-Württemberg. Auftritte finden neben privaten Veranstaltungen in den angesagten Biergärten wie z.B. Schwaneninsel, Waiblingen, Stadtbiergarten Schorndorf oder Tannwiese, Welzheim, sowie bei den im Remstal üblichen Dorf- oder Weinfesten statt.
Die Performance der Band konnte durch eine Namensänderung in "Dr.Jazz, Dixieland aus dem Remstal", Internetpräsenz (www.dr-jazz.com), Lokalpresse und CD-Produktion deutlich verbessert werden.
Auch die musikalischen Fähigkeiten haben sich infolge mancher Personalwechsel nicht unerheblich verbessert. So konnte mit Dr.Günther Paucker, einem studierten Musiker, ein fähiger Trompeter in die Band aufgenommen werden, der sich auch zunehmend der musikalischen Bereiche annimmt.

An den Drums sitzt jetzt mit Eike Neubauer ein Musiker, der in allen Bereichen vom Jazz bis zu gehobener Unterhaltungsmusik zu Hause ist und überdies den Altersschnitt der Band positiv nach unten entwickelt.
Auch Abgänge gibt es immer wieder zu akzeptieren. So hat 2018 unser langjähriger Posaunist Hartmut Riess seinen Abschied genommen. Der Grund war zunehmende Belastung, da Hartmut auch in anderen Bands aktiv ist und Prioritäten setzen wollte.
Gegen Ende des Jahres haben sich die Band und Manfred Schwarzmaier nach langen Jahren des gemeinsamen Musizierens wegen verschiedener Differenzen getrennt. Auch Blacky wird in anderen Bands der Ausübung von Musik treu bleiben.

Die entstandenen Lücken konnten dadurch geschlossen werden, dass ich zwei Heilbronner Jazzfreunde bewegen konnte, mit unserer Band aufzutreten. Albrecht Schäfer, gen. Abu, und Fritz Resech, gen. JC, haben mit ihren Instrumenten Banjo und Posaune denselben Werdegang als Amateurjazzer von der Jugend bis heute durchgemacht und passen perfekt zur jetzigen Band.
Der Lust am Musizieren hat dann die Corona- Pandemie einen drastischen Schluss gesetzt. Der letzte offizielle Auftritt der Band fand am 03.10.2019 in der Geradstetter Kelter statt. Unterbrochen wurde die lange Zeit der Abstinenz lediglich durch zwei private Veranstaltungen, an denen Dr.Jazz auftreten konnte. Die Tatsache jedoch, dass die Band ohne Proben ihr Niveau zu halten in der Lage war, befriedigte alle Musiker und Freunde und minderte den allgemeinen Frust über die Situation.